Impulspapier zum Freisinger Moos

Mehr als 13% der Treibhausgasemissionen im Landkreis Freising stammen aus trocken gelegten Mooren. Zum Vergleich: Der Anteil des Flugverkehrs, der dem Landkreis Freising zugewiesen werden kann, liegt bei 8,9 %. Moore sind also in erheblichem Maße klimarelevant und die Emissionen können je nach Wasserstand gemindert, verhindert oder sogar als CO₂-Speicher klimapositiv gestaltet werden. (Quelle: integriertes Klimaschutzkonzept Landkreis Freising)
Im Maßnahmenkatalog des Klimaschutzkonzepts sind die Wiederanhebung des Grundwassers im Bachinger Moos und im Sünzhauser Moos sowie eine Plattform für den Austausch aller Moorakteure und Fortbildungen für Mitarbeitende vorgesehen. Ein guter Anfang. Hier ist für eine zügige Umsetzung aller als “kurzfristig” titulierten Maßnahmen zu sorgen.
Gleichzeitig ergibt sich aus der Bedeutung der Moore ein deutlich darüber hinaus gehender Handlungsbedarf. Im Freisinger Moos ergibt sich eine große Chance, denn insgesamt sind 61% der Grundstücksflächen in öffentlicher Hand (Bund, Freistaat Bayern, Landkreis Freising, Gemeinden und Flughafen München). Denkbar sind zudem darüber hinaus gehende Vereinbarungen mit Privateigentümern.
Ziel dieses Papiers ist es, Impulse im Hinblick auf Moor- und Klimaschutz in die politische Debatte einzubringen, den Prozess der Wiedervernässung zu beschleunigen und die vermeintlichen Gegensätze zwischen Klimaschutz, Naturschutz und landwirtschaftlicher Nutzung zu überwinden. Dafür sind auf allen politischen Ebenen Handlungen erforderlich, die im Ergebnis zu einer Wiedervernässung der wertvollen Moorflächen beitragen.
- Der Landkreis Freising soll über den Stand der Umsetzung der bereits geplanten Maßnahmen in den entsprechenden politischen Gremien und der Öffentlichkeit berichten. Alle öffentlich Beteiligten (Bund, Freistaat Bayern, Landkreis Freising, Gemeinden und Flughafen München) sollen sich zum Ziel setzen, wenigstens die öffentlichen Flächen bis zum Jahr 2030 zu vernässen.
- Der Landkreis Freising soll als Motor und zentraler Akteur auftreten, der den Prozess intensiv vorantreibt und die Gespräche mit Grundstückseigentümern und Pächtern intensiviert. Für die Vernässung sind zusammenhängende Grundstücke erforderlich, die durch Tausch, Kauf, langfristige Pacht oder vertragliche Vereinbarungen erreicht werden können. Die Mittel sind im Haushalt einzustellen.
- Je nach Höhe des Wasserstands sind unterschiedliche landwirtschaftliche Nutzungen möglich und Effekte für Natur- und Klimaschutz zu erwarten. Der Landkreis soll einen breit angelegten strukturierten Dialog mit Eigentümern, Nutzern und Fachkundigen starten mit dem Ziel – auch unter Einbeziehung wissenschaftlicher Expertise und fachkundiger Verbände – ein Nutzungskonzept zu entwickeln, welches den Interessen des Klimaschutzes, des Naturschutzes und der Landwirtschaft gerecht wird.
- Der Managementplan für das FFH-Gebiet 7636-371 „Moorreste im Freisinger und Erdinger Moos“ muss umgehend finalisiert und veröffentlicht werden.
Darüber hinaus sind überregional die Rahmenbedingungen für die Umsetzung der Wiedervernässung von Moorflächen in der Praxis zu verbessern.
- Der Erhalt beziehungsweise die Wiederherstellung eines hohen Wasserstandes müssen als primäres Verbandsziel in Wasser- und Bodenverbänden verankert werden und die bisherige Zielsetzung der „Be- und Entwässerung landwirtschaftlicher Flächen“ ersetzen. Hierfür sind die rechtlichen Grundlagen zu schaffen.
- Der Moorschutz sollte gesetzlich als “überragendes öffentliches Interesse” anerkannt werden, wie auch der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz (WBNK) in seiner Stellungnahme von Februar 2026 bekräftigt hat.
- Moorschutz und somit Klimaschutz muss sich finanziell lohnen. Wer erfolgreich wiedervernässt, den Wasserstand dauerhaft hochhält, CO₂ einspart und zur Wiederherstellung der moortypischen Biodiversität beiträgt wird belohnt. Eine Förderung muss sich am Erfolg messen. Das reduziert Bürokratie, stärkt Eigenverantwortung und schafft echte, dauerhafte Anreize.
- Aus der Vernässung von Moorflächen sollten sich perspektivisch mindestens zwei bzw. bei weiterer landwirtschaftlicher Nutzung drei Säulen von Einnahmen ergeben. CO₂-Zertifikate und langfristige Förderung sind die Grundlage und hier ist darauf zu achten, dass der Zertifikatehandel verlässlich, fair und transparent ausgestaltet wird.
- „Moor“ und „Wiedervernässung“ müssen als klare und verbindliche Rechtsbegriffe im BayWG (Bayerischen Wassergesetz) definiert werden. Dies schafft die Grundlage für Planbarkeit, Förderung und gerichtsfeste Genehmigungsverfahren. Insgesamt muss das BayWG entbürokratisiert werden, um die Genehmigung von Wiedervernässungs-maßnahmen zu vereinfachen und zu beschleunigen.