Der Bahnhof Rohrbach bietet seit Jahren ein trauriges Bild. Das historische Bahnhofsgebäude mit Nebengebäuden steht leer und ist verschlossen. Nur wenige Meter weiter befindet sich das ebenfalls leerstehende Wohngebäude in der Ladehofstr. 7. Auf Hinweis des 1. Bürgermeisters Christian Keck kümmerte sich der Grünen-Landtagsabgeordneten Johannes Becher mit einer Anfrage um das Thema und ihm wurde die Auskunft erteilt, dass die Gebäude bis auf Weiteres leer stehen und auch keinerlei künftige Nutzung geplant ist. „Dauerhafter Leerstand ist schlecht für alle. Schlecht für das Gebäude, für die Eigentümer, die Fahrgäste und die Gemeinde, denn das ist wahrlich kein attraktiver Ortseingang. Das kann doch nicht die endgültige Antwort sein,“ ärgerte sich Becher. „Dauer-Leerstand ist kein Zustand, den ich einfach so akzeptieren kann.“
Und so blieb Becher dran. Bei den weiteren Recherchen ergab sich, dass das Bahnhofsgebäude der Deutschen Bahn AG und das Wohnhaus dem Bundeseisenbahnvermögen gehört. Hierbei handelt es sich um ein Sondervermögen, welches 1994 im Zuge der Bahnreform entstanden war und nicht bahnnotwendige Liegenschaften verwaltet und verwertet. Tatsächlich befinden sich deutschlandweit noch immer viele Liegenschaften im Eigentum des Bundeseisenbahnvermögens und warten auf eine gute Idee, so auch die Ladehofstr. 7 als ehemaliges Wohnhaus für Bahnmitarbeitende.

Nachdem in den letzten Jahren ein Verkauf an die Gemeinde unmöglich schien und dazu noch ein förmliches Verfahren zur Freistellung von Bahnbetriebszwecken beim Eisenbahnbundesamt angestrebt werden müsste, konnte beim Ortstermin überraschend eine Perspektive aufgezeigt werden. Ein Verkauf an die Gemeinde kommt nun doch in Frage, wenn das Gebäude später für Zwecke des sozialen Wohnungsbaus, zum Beispiel vergünstigen Wohnraum verwendet wird. Dazu wird das Bundeseisenbahnvermögen verwaltungsintern ein Wertgutachten erstellen und mit dem Eisenbahnbundesamt die Freistellung klären. Bis zum Herbst könnten alle Unterlagen erstellt werden, sodass dann die Gemeinde und vor allem dem Gemeinderat alle Informationen zur Entscheidung vorgelegt werden können. „Die Gemeinde hat die freie Entscheidung, ob sie es selbst macht oder ob sie mit einem Bauträger oder einer Genossenschaft eine Lösung entwickelt. Für mich ist vor allem wichtig, dass Bewegung in die Sache kommt, damit entschieden, saniert und wieder genutzt werden kann,“ erklärt Becher. „Die Gemeinde war bereits 2023 am Erwerb dran. Es kam jedoch aufgrund hoher Immissionsschutzvorgaben, des hohen Zeitdrucks aufgrund der 2023 ausgelaufenen Veräußerungsrichtlinie zum vergünstigten Ankauf und der damaligen Haushaltssituation nicht zu einem Ankauf. Dass der vergünstigte Ankauf nach der sogenannten „Richtlinie des BEV zur verbilligten Abgabe von Grundstücken“ nun wieder möglich ist, erfuhren wir trotz regelmäßigem Kontakt mit dem BEV erst im Termin mit MdB Becher“, so Rohrbachs Bürgermeister Christian Keck: „Zumal die Veräußerung von Bahnvermögen zwischenzeitlich seitens der Bundesregierung komplett auf Eis gelegt wurde.“
Den nächsten Ortstermin in Rohrbach wird Becher dann mit der Deutschen Bahn wegen dem Bahnhof selbst vereinbaren. „Mein Eindruck von außen ist, dass die Rissbildung nur an einer Seite des Bahnhofsgebäudes markant ist und der historische Mittelteil und der Anbau relativ gut aussehen. Sicherlich muss man sich die Statik anschauen, aber ich habe selbst ein 500 Jahre altes Baudenkmal saniert und kann nur sagen: Wo ein Wille, da ist ein Weg. Für Rohrbach würde ich mir sehr wünschen, dass es hier zumindest wieder eine Bäckerei oder einen Kiosk gibt und ein sauberes und benutzbares WC,“ betont Landtagsabgeordneter Johannes Becher.




