Grüner Antrag fordert mehr Wertschätzung für Kindertagespflegepersonen – der Sozialausschuss stimmt einstimmig zu! Die vorgeschlagenen konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen werden allerdings abgelehnt.

Das grüne Antragspaket „Kindertagespflege in Bayern stärken“, das ursprünglich noch vor der Sommerpause auf der Tagesordnung gestanden hatte, wurde heute im Sozialausschuss des Bayerischen Landtags verhandelt. Eingangs sprach Johannes Becher als Sprecher der Landtagsgrünen für frühkindliche Bildung den erstaunlichen Stimmungs- und Richtungswechsel zum Themenbereich Kindertagespflege an, der sich parallel zum Ministerinnenwechsel im Familienministerium vollzog: gab es noch vor wenigen Monaten scheinbar überfraktionellen Konsens, dass die Kindertagespflege ein wertvoller Bestandteil der frühkindlichen Bildung und Betreuung in Bayern ist, ließ der letzte Bericht des Familienministeriums zum Potential der Kindertagespflege in Bayern, der Mitte April dem Ausschuss zuging, Anerkennung und Wertschätzung vermissen.

Das war auch für uns ein Anlass, die Kindertagespflege erneut in den Fokus unserer Aufmerksamkeit zu rücken. Wir fordern schon länger, das Potenzial der Kindertagespflege politisch anzuerkennen und die grundlegenden Strukturen zu verbessern, um dieses Potenzial für die frühkindliche Bildung in Bayern auch ausschöpfen zu können. Das Grüne Antragspaket zur Stärkung der Kindertagespflege in Bayern legt im ersten Antrag den Fokus auf die Wertschätzung des Berufsfelds. Dieser Antrag fand einstimmige Unterstützung im Ausschuss: ein durchaus ungewöhnliches und auch erfreuliches Ergebnis.

Die konkreten Maßnahmen zur Stärkung der Kindertagespflege, die im Grünen Antragspaket enthalten sind und die, im Gegensatz zur Wertschätzung per Lippenbekenntnis, nicht umsonst zu haben sind, wurden allerdings mit den Stimmen der Regierungsfraktionen und der AfD abgelehnt. So fordern wir, die Grundqualifizierung von Kindertagespflegepersonen anzuheben und bayernweite Mindestsätze bei der Vergütung einzuführen. „Die Anforderungen steigen, da dürfen entsprechende Qualifikationen, Beratung und ein leistungsgerechter Verdienst nicht unter den Tisch fallen! Wir fordern ein neues, attraktives Vergütungsmodell, das es ermöglicht, die Tätigkeit existenzsichernd auszuüben. Hinzu kommt, dass je nach Wohnort die Tagesmutter oder der Tagesvater mit ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen konfrontiert ist. Wir müssen hier einheitliche Voraussetzungen schaffen und damit den Beruf allgemein attraktiver machen“, erklärt Johannes Becher dazu und rechnet im Ausschuss vor: viele Kindertagespflegepersonen arbeiten als Selbständige defacto unter dem Mindestlohn.

Qualifizierung und Vergütung sind sehr wichtig, die verbindliche und flächendeckende Regelung der Vertretung im Krankheits- oder Urlaubsfall ist daneben auch unbedingt notwendig, damit Kindertagespflegepersonen im Krankheitsfall nicht arbeiten müssen und Gebrauch vom Erholungsurlaub machen können, ohne Eltern und Kinder zu belasten. Die Stärkung der Kindertagespflege ist wichtig für Bayern, sie beinhaltet, Qualifizierung, Professionalisierung der Strukturen, eine verbesserte Vergütung und Vernetzung, diese Maßnahmen kosten Geld. Die Investitionen in unseren Kindern lohnen sich jedoch immer.