Bayerische Wirtshäuser, Dorfwirtschaften und Kneipen sollen auch bei einem Betreiberwechsel eine Zukunft haben. Dafür setzen sich die Landtagsabgeordneten Mia Goller aus Rottal-Inn und Johannes Becher aus Moosburg (Landkreis Freising) gemeinsam mit der Grünen Landtagsfraktion ein. Mit einem aktuellen Antrag fordern sie die Staatsregierung auf zu prüfen, wie für rechtmäßig bestehende Gaststätten bei einer reinen Betriebsnachfolge ein verlässlicher Bestandsschutz geschaffen werden kann.

„Unsere Wirtshäuser sind weit mehr als gastronomische Betriebe“, betont Mia Goller. „Sie sind Treffpunkte für Vereine, Stammtische und Familien. Hier wird gefeiert, diskutiert und Gemeinschaft gelebt. Gerade im ländlichen Raum verliert ein Dorf mit dem letzten Wirtshaus oft auch ein Stück seines gesellschaftlichen Zentrums.“

Oft entstehen Probleme genau dann, wenn sich nach Jahren endlich eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger findet. Mit dem Betreiberwechsel können umfangreiche neue bauliche und technische Anforderungen verbunden sein. Selbst gut funktionierende Gaststätten stehen dadurch vor Investitionen, die für viele kleine Betriebe kaum zu stemmen sind.

„Es darf nicht sein, dass Menschen den Mut haben, ein traditionsreiches Wirtshaus weiterzuführen, und dann an Auflagen scheitern, die einem Neubau gleichkommen“, erklärt Johannes Becher. „Wir wollen keine Abstriche bei Brandschutz, Hygiene, Barrierefreiheit oder Gesundheitsschutz. Aber wir brauchen vernünftige und praxistaugliche Regeln, die zwischen einer einfachen Betriebsnachfolge und einem grundlegenden Umbau unterscheiden.“

Der Antrag sieht deshalb vor, unter anderem Übergangs- und Härtefallregelungen zu prüfen. Nachrüstpflichten sollen vor allem dann greifen, wenn größere bauliche Veränderungen erfolgen, sich die Nutzung wesentlich ändert oder eine konkrete Gefahrenlage besteht. Die notwendigen Schutzstandards sollen dabei uneingeschränkt erhalten bleiben.

Neben der Politik sieht Mia Goller auch die Bevölkerung in der Verantwortung: „Wer das Wirtshaussterben beklagt, sollte unsere Gaststätten auch besuchen. Wertschätzung zeigt sich nicht nur in Worten, sondern auch darin, dass man zum Essen, Kartenspielen oder auf ein Getränk einkehrt.“

Für beide Abgeordneten ist der Erhalt der Wirtshauskultur eine Gemeinschaftsaufgabe von Politik, Kommunen und Gästen. „Jedes erhaltene Wirtshaus stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Lebensqualität vor Ort“, sind sich Goller und Becher einig.